Besorgte Mutter steht hinter ihrem Sohn, der spät abends am Schullaptop sitzt – Streit um Bildschirmzeit auf Malta.

Schullaptop ohne Kindersicherung auf Malta: Warum Eltern bei der Bildschirmzeit machtlos sind

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Kürzlich haben wir uns auf einem Kindergeburtstag mit einigen Müttern darüber unterhalten, wie wir die langen Sommerferien meistern. Uns wurde schnell klar, dass wir zu Hause alle vor demselben Problem stehen. Die Kinder stehen morgens auf, wandern direkt vom Bett zum Schul-Notebook, schalten Roblox oder YouTube ein – und ohne das Eingreifen der Eltern würden sie wahrscheinlich bis zum Abend vor dem Bildschirm sitzen.

Natürlich können wir den Kindern sagen, dass sie den Computer ausschalten sollen. Wir können Regeln aufstellen, mit ihnen verhandeln und ihnen erklären, dass Sommerferien nicht bedeuten, dreizehn Wochen lang von morgens bis abends auf ein Display zu starren. Nach mehreren erfolglosen Ermahnungen geht man schließlich zum Kind und nimmt ihm den Laptop weg. Das Kind protestiert, verhandelt, weigert sich loszulassen, und manchmal kommt es zu einem buchstäblichen Tauziehen um das Gerät.

Wir waren uns alle einig, dass dieses tägliche Diskutieren, Streiten und Feilschen extrem kräftezehrend ist. Gleichzeitig wurde uns eine gewisse Absurdität bewusst: Die maltesische Regierung stellt den Kindern zwar Laptops für Bildungszwecke zur Verfügung, gibt den Eltern aber keine praktische Möglichkeit an die Hand, zu kontrollieren, wann und wie lange die Geräte genutzt werden.

Eine gute Idee, die auf halbem Weg stehen geblieben ist

Dass Kindern Laptops bereitgestellt werden, halte ich keineswegs für eine schlechte Idee. Der Zugang zu modernen Technologien ist für die Bildung heute unerlässlich, und nicht jede Familie kann es sich leisten, jedem Kind ein eigenes Gerät zu kaufen. Wenn alle Kinder die Chance haben sollen, mit digitalen Lernmaterialien zu arbeiten und IT-Kenntnisse zu entwickeln, ist ein staatliches Programm absolut sinnvoll.

Mit der Übergabe des Geräts ist die Aufgabe jedoch nicht erledigt. Das Kind nutzt den Laptop schließlich nicht nur in der Schule unter Aufsicht der Lehrkräfte. Er steht zu Hause, an Wochenenden, an Feiertagen und vor allem während der langen Sommerferien. Die Eltern gehen derweil ganz normal arbeiten, führen den Haushalt und kümmern sich oft um mehrere Kinder. Sie können nicht den ganzen Tag hinter den Kindern stehen und überprüfen, ob sie an einem Schulprojekt arbeiten, ein Lernvideo ansehen oder schon die fünfte Stunde Roblox spielen. Zudem durchschauen Kinder schnell, wie sie kurz vor dem Eintreffen der Eltern mit einem Klick zu einer Lernanwendung wechseln und eine unschuldige Miene aufsetzen.

Die Schul-Laptops werden zentral verwaltet. Eltern besitzen keine Administratorrechte, können keine Systemeinstellungen ändern und keine eigene Kindersicherungs-Software installieren. Das ist aus Sicherheitsgründen absolut verständlich. Das Problem liegt darin, dass das zentrale System den Eltern auch kein einfaches Elternkonto bietet, über das sich grundlegende Nutzungsregeln für zu Hause festlegen ließen.

Das Gerät steht somit unter der technischen Kontrolle des Staates, während die Eltern die alltäglichen Folgen der häuslichen Nutzung allein ausbaden müssen.

Kindersicherung auf dem Smartphone funktioniert – warum nicht auf dem Schul-Laptop?

Wenn ein Kind ein Smartphone oder Tablet mit Android nutzt, können Eltern auf Dienste wie Google Family Link zurückgreifen. Sie können ein tägliches Zeitlimit festlegen, feste Schlafzeiten vereinbaren oder das Gerät bei Bedarf aus der Ferne sperren.

Sobald die vereinbarte Zeit abgelaufen ist, sperrt sich das Gerät automatisch. Eltern müssen ihr Kind somit nicht alle zehn Minuten daran erinnern, dass die Bildschirmzeit überschritten ist, und ihm das Gerät am Ende nicht gewaltsam aus den Händen reißen.

Für die Schul-Notebooks existiert ein vergleichbares Werkzeug bisher nicht.

Es geht dabei keineswegs darum, dass Eltern vollständige Administratorrechte erhalten, das Betriebssystem verändern oder beliebige Programme installieren können. Die zentrale IT-Verwaltung kann die vollständige technische Kontrolle über die Geräte problemlos behalten. Eltern benötigen lediglich einen eingeschränkten Zugriff auf Funktionen, die die tägliche Nutzung zu Hause betreffen.

Sinnvoll wäre beispielsweise die Möglichkeit, ein tägliches Zeitlimit oder eine automatische Sperre für den Abend einzurichten sowie den Zugang zu Spiel- und Unterhaltungsportalen zeitweise einzuschränken. Schulische Anwendungen und Lernmaterialien könnten dabei jederzeit zugänglich bleiben. Im Grunde genommen ginge es um eine Art Family Link, die speziell für schulische Geräte angepasst ist.

In den Sommerferien zeigt sich das Problem am deutlichsten

Während des Schuljahres ist der Tag der Kinder strukturiert. Sie stehen morgens auf, fahren zur Schule, kommen nach Hause, erledigen ihre Hausaufgaben und gehen eventuell noch zum Sport oder Musikunterricht. Während der rund dreizehn Wochen langen Sommerferien auf Malta bricht diese Tagesstruktur weitgehend weg.

Nicht jede Familie kann ihren Kindern jeden Tag Ausflüge organisieren oder sie in kostenpflichtigen Sommercamps und Freizeitprogrammen anmelden. Hinzu kommt die große Hitze im Sommer, während die Eltern weiterhin ihrem Arbeitsalltag nachgehen müssen. Das Notebook bietet den Kindern sofortige Unterhaltung, den Kontakt zu Freunden und einen praktisch endlosen Strom an Inhalten.

Es ist daher keineswegs überraschend, dass Kinder bevorzugt zu diesem Gerät greifen. Ebenso wenig kann man von einem acht- oder zehnjährigen Kind erwarten, dass es von sich aus entscheidet, dass es nun genug Roblox gespielt hat, das Notebook ausschaltet und freiwillig zu einem Buch greift.

Die Fähigkeit zur Selbstregulierung entwickelt sich bei Kindern erst nach und nach. Zudem sind digitale Spiele und Online-Plattformen gezielt darauf ausgelegt, die Nutzer möglichst lange an den Bildschirm zu binden. Beim Setzen von Grenzen benötigen Kinder daher die Unterstützung Erwachsener – und diese benötigen wiederum die passenden Werkzeuge dafür. Man kann nicht erwarten, dass alle Eltern ihren Heim-Router so konfigurieren können, dass er dem Schul-Laptop zu bestimmten Zeiten den Internetzugang sperrt. Nicht alle Eltern sind IT-Spezialisten, und das sollten sie für eine grundlegende Medienerziehung auch nicht sein müssen.

Laptops verteilen allein reicht nicht aus

Es ist unkompliziert und lässt sich öffentlich wirksam präsentieren, Kindern Laptops auszuhändigen. Man kann die Anzahl der verteilten Geräte zählen, Pressefotos machen und von einer Investition in die digitale Zukunft sprechen.

Deutlich anspruchsvoller ist es dagegen, vorauszudenken, wie ein Grundschulkind ein solches Gerät im Alltag zu Hause tatsächlich nutzt.

Digitale Bildung darf sich nicht darauf beschränken, jedem Kind einen eigenen Bildschirm zur Verfügung zu stellen. Sie muss ebenso Aspekte wie Sicherheit, die Unterstützung der Eltern und das Schaffen fester Rahmenbedingungen umfassen.

Eltern brauchen keine weiteren Broschüren, die ihnen erklären, dass Kinder nicht zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen sollten. Das ist den meisten längst bewusst. Was benötigt wird, ist ein praxistaugliches Werkzeug, mit dem sich die Nutzung des Schul-Notebooks genauso sinnvoll steuern lässt wie die Nutzung eines Kinder-Smartphones.

Denn das physische Tauziehen um den Laptop ist mit Sicherheit keine zeitgemäße digitale Lösung.