Erschöpfte Mutter mit ihren Kindern während der langen Sommerferien auf Malta

Warum dauern die Sommerferien auf Malta 13 Wochen?

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Während in einigen europäischen Ländern darüber diskutiert wird, ob zwei Monate Sommerferien noch zeitgemäß sind, müsste eine vergleichbare Debatte auf Malta noch ganz woanders ansetzen. Denn hier haben Kinder nicht acht Wochen lang keinen regulären Unterricht, sondern etwa dreizehn. In die Schule kehren sie erst Ende September zurück.

Nein, ich finde nicht, dass Malta die Sommerferien von heute auf morgen auf sechs Wochen verkürzen sollte. Die Debatte muss sich aber auch nicht auf zwei Möglichkeiten beschränken: dreizehn Wochen oder sechs.

Die eigentliche Frage lautet anders: Warum darf auf Malta nicht einmal geprüft werden, ob eine fast dreimonatige Unterbrechung des regulären Unterrichts noch immer im besten Interesse von Kindern und Familien liegt? Und warum wird die Gestaltung des Schuljahres faktisch weder von den Ergebnissen maltesischer Schüler in internationalen Vergleichsstudien noch von den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft oder der Eltern bestimmt, sondern von Arbeitsbedingungen, die mit der Lehrergewerkschaft ausgehandelt wurden?

Wie lange dauern die Sommerferien auf Malta? Etwa dreizehn Wochen

Nach Angaben des europäischen Bildungsnetzwerks Eurydice dauern die Sommerferien auf Malta ungefähr dreizehn Wochen. Schüler staatlicher Grundschulen beenden das Schuljahr in der letzten Juniwoche und kehren erst am letzten Mittwoch im September zurück. Hinzu kommt, dass staatliche Schulen bereits ab Anfang Juni auf verkürzten Unterricht umstellen, der gegen Mittag endet.

Malta gehört damit zu den europäischen Ländern mit den längsten Sommerferien. Weder Tradition noch ähnlich lange Ferien in anderen Ländern sind jedoch ein Beleg dafür, dass über den derzeitigen Schulkalender nicht gesprochen werden sollte.

Vor allem deshalb nicht, weil sich die Gesellschaft verändert hat, in der dieses System funktionieren soll. In vielen Familien sind heute beide Eltern berufstätig. Ein gewöhnlicher Arbeitnehmer hat keine dreizehn Wochen Urlaub, und die Großeltern wohnen nicht mehr automatisch eine Straße weiter oder sind bereits im Ruhestand. Malta ist zudem auf die Arbeit Tausender ausländischer Beschäftigter angewiesen, die auf der Insel häufig keine weitere Familie haben.

Der Schulkalender setzt trotzdem weiterhin voraus, dass sich während fast des gesamten Sommers irgendjemand um die Kinder kümmert. Wer genau das sein soll, interessiert das Bildungssystem nicht.

Die Gewerkschaft sagt klar Nein: Über die Länge der Ferien wird nicht verhandelt

Im Jahr 2024 empfahl eine von Maltas Nationaler Kommission zur Förderung der Gleichstellung in Auftrag gegebene Studie, bei künftigen Reformen die kurzen Schulzeiten und langen Sommerferien zu untersuchen.

Die Untersuchung befasste sich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und machte auf die praktischen Probleme aufmerksam, die das derzeitige System berufstätigen Eltern bereitet – und wegen der nach wie vor ungleichen Verteilung der Betreuungsarbeit insbesondere Müttern.

Die Malta Union of Teachers (MUT), Maltas größte Lehrergewerkschaft, reagierte auf die Empfehlung jedoch, indem sie eine mögliche Änderung von vornherein ablehnte. Im Januar 2025 erklärte die Gewerkschaft, Unterrichtszeiten und Ferien stünden „nicht zur Debatte und werden so bleiben, wie sie sind“. Familien, die den bestehenden Kalender nicht abdecken können, sollten nach Auffassung der MUT Früh-, Nachmittags- und Ferienprogramme nutzen. Die vollständige Stellungnahme ist weiterhin auf der Website der Gewerkschaft abrufbar.

Stellungnahme der Malta Union of Teachers zu Unterrichtszeiten und Schulferien vom 14. Januar 2025
Stellungnahme der Malta Union of Teachers vom 14. Januar 2025. Quelle: MUT.

Die MUT bezeichnete die angebliche Missachtung bestehender Programme sogar als „Beleidigung“ gegenüber der FES, privaten Anbietern und deren Beschäftigten. Dabei hatte die Studie diese Angebote keineswegs ignoriert. Im Gegenteil: Sie empfahl, die Nutzung von Klabb 3–16 zu untersuchen, das Programm zu verbessern und die Qualität von SkolaSajf regelmäßig zu bewerten. Kritik an der Frage, ob das System ausreicht, wurde von der Gewerkschaft damit zu mangelndem Respekt gegenüber den Menschen umgedeutet, die darin arbeiten.

Mit anderen Worten: Nicht der Schulkalender soll sich ändern. Eltern, Staat und sämtliche begleitenden Dienste sollen sich ihm anpassen.

Dabei handelte es sich nicht nur um eine gereizte Reaktion in einer Pressemitteilung. In der offiziellen MUT-Präsentation zur neuen Kollektivvereinbarung für staatliche Schulen, die mit der Regierung ausgehandelt wurde und bis Ende 2027 gilt, steht in Großbuchstaben:

NO changes in holiday periods. NO changes in school hours.

MUT-Präsentation zur Kollektivvereinbarung: keine Änderungen bei Schulferien und Unterrichtszeiten

Dieselben Bedingungen enthält auch die Kollektivvereinbarung für kirchliche Schulen, wie die offizielle, von der MUT veröffentlichte Präsentation zeigt. Dort steht außerdem, dass das Schuljahr für Schüler nicht vor dem 22. September beginnen darf.

Die heutige Form der Sommerferien ist somit weder nur eine historische Gewohnheit noch eine praktische Entscheidung einzelner Schulen. Sie ist als ausgehandelte Arbeitsbedingung der Lehrkräfte geschützt und in einer Kollektivvereinbarung verankert.

Wenn eine Arbeitsbedingung zur unantastbaren Bildungspolitik wird

Die Lehrergewerkschaft tut, was Gewerkschaften üblicherweise tun: Sie verteidigt die Vorteile ihrer Mitglieder. Es wäre naiv zu erwarten, dass sie freiwillig auf eine der angenehmsten Arbeitsbedingungen verzichtet, die ein Beruf bieten kann: fast den gesamten Sommer ohne regulären Unterricht und bei laufendem Gehalt.

Genau genommen haben maltesische Lehrkräfte nicht dreizehn Wochen klassischen Urlaub im selben rechtlichen Sinne wie Arbeitnehmer, die ihren Jahresurlaub nehmen. Sie beziehen ein Jahresgehalt, ein Teil der Tage nach dem Unterrichtsende entfällt auf Korrekturen, den Abschluss des Schuljahres oder Vorbereitungen, und viele beschäftigen sich auch außerhalb des Unterrichts mit Fortbildung. Der gesamte Artikel ließe sich deshalb leicht mit dem Einwand abtun, Lehrer hätten „drei Monate bezahlten Urlaub“.

Die praktische Realität bleibt jedoch bestehen: Rund dreizehn Wochen lang findet kein regulärer Unterricht statt, die Lehrkräfte beziehen weiterhin ihr Jahresgehalt, und dieses Modell ist durch eine Kollektivvereinbarung geschützt. Die Gewerkschaft sagt zudem nicht, vorgeschlagene Änderungen seien ungeeignet. Sie sagt, dass darüber überhaupt nicht gesprochen wird.

Genau an diesem Punkt geht es nicht mehr nur um Beschäftigungsbedingungen. Das Schuljahr ist kein privater Vorteil einer Berufsgruppe. Es bestimmt die Bildung Zehntausender Kinder, die beruflichen Möglichkeiten ihrer Eltern und die Kosten zusätzlicher staatlicher Angebote. Die Gewerkschaft muss bei einer Reform eine starke Stimme haben. Sie sollte jedoch nicht das Recht haben, eine Frage von öffentlichem Interesse für unantastbar zu erklären.

Kein neuer Streit: Die MUT verweigert die Debatte seit mindestens 15 Jahren

Wer glaubt, die Erklärung von 2025 sei lediglich unglücklich formuliert gewesen, findet ähnliche Aussagen weit in der Vergangenheit. Schon 2011 wies die MUT einen Vorschlag zurück, die Zahl der Schultage zu erhöhen. Die bestehende Zahl an Unterrichtsstunden und -tagen sei Ergebnis einer Vereinbarung und „is there to stay“. Der damalige Gewerkschaftspräsident erklärte, seine Organisation sei nicht einmal bereit, den Vorschlag zu erwägen. The Malta Independent berichtete bereits im Juli 2011 über den Streit.

2012 erklärte die Gewerkschaft die Arbeitszeit der Lehrkräfte erneut für nicht verhandelbar. Beim Abschluss weiterer Vereinbarungen wurde wiederholt zugesichert, dass sich weder Unterrichtszeiten noch Ferien ändern würden. Und 2025 fiel praktisch derselbe Satz wie 14 Jahre zuvor.

Das ist keine einmalige Abwehr eines schlecht vorbereiteten Vorschlags mehr. Dahinter steht eine dauerhaft unveränderte Haltung: Die Länge des Schuljahres soll gar nicht erst auf den Verhandlungstisch kommen.

Warum die MUT die Politik nicht fürchten muss – die Politik aber die MUT

Auf den ersten Blick wirkt es merkwürdig, dass eine demokratisch gewählte Regierung eine Vereinbarung mit einer Gewerkschaft unterzeichnet, in der sie vorab auf die Möglichkeit verzichtet, einen wichtigen Teil des Bildungssystems zu verändern. Schließlich sollen Minister Bildungspolitik gestalten und Gewerkschaften Beschäftigte vertreten – nicht über die Länge der Schulbildung von Kindern bestimmen.

Die Stärke der MUT beruht jedoch nicht nur auf der Zahl der Lehrkräfte, die sie bei Wahlen unterstützen könnten. Sie ist unmittelbar in der Funktionsweise der Tarifverhandlungen auf Malta verankert.

Nach den maltesischen Regeln für die Anerkennung von Gewerkschaften kann eine Organisation, der mehr als die Hälfte der Beschäftigten einer bestimmten Gruppe angehört, als einziger anerkannter Partner für Kollektivverhandlungen anerkannt werden. Sobald eine Organisation als exklusive Verhandlungsgewerkschaft anerkannt ist, darf der Arbeitgeber kollektive Fragen dieser Beschäftigten mit keiner anderen Gewerkschaft erörtern.

Die MUT übermittelt dem Ministerium also nicht bloß unverbindliche Anmerkungen. Sie sitzt als offizieller Partner auf der anderen Seite des Tisches, ohne den Arbeitszeit, Pflichten und Bedingungen der Lehrkräfte nicht vereinbart werden können. Weil eine Änderung des Schuljahres fast automatisch auch eine Änderung des Arbeitsjahres der Lehrer bedeutet, gerät der Schulkalender in einen Bereich, in dem die Gewerkschaft eine außerordentlich starke Position hat.

Der Streik zeigte eine weitere wichtige Machtquelle der MUT: Die Gewerkschaft muss Schulen nicht formell schließen, um sie faktisch zu leeren. Nach gescheiterten Verhandlungen über eine neue Kollektivvereinbarung rief die MUT im November 2023 zu einem eintägigen Streik an staatlichen und kirchlichen Schulen auf. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich 97 Prozent der Pädagogen. Die staatlichen Schulen sollten zwar geöffnet bleiben und eine grundlegende Aufsicht gewährleisten, regulärer Unterricht fand jedoch nicht statt. Auch Schülertransport, Breakfast Club und Klabb 3–16 fielen aus. Kirchliche Schulen forderten Eltern sogar ausdrücklich auf, ihre Kinder nicht zu schicken.

Dramatische Meldungen in Medien und sozialen Netzwerken sorgten bei Eltern für erhebliche Unsicherheit darüber, wer ihre Kinder betreuen würde und wie die Aufsicht in den Schulen tatsächlich funktionieren sollte. Die Zusicherungen des Staates konnten sich im medialen Wirbel kaum durchsetzen. Wenn Eltern am Abend nicht wissen, ob sie ihr Kind am nächsten Morgen zur Schule schicken können, nehmen sie lieber frei, bitten Verwandte um Hilfe oder organisieren kurzfristig eine andere Betreuung. So überrascht es nicht, dass von rund 35.000 Schülern staatlicher Schulen nach Angaben der MUT nur etwa 600 erschienen. Diese Zahl zeigt vor allem, wie wirksam sich das gesamte Schulsystem durch die Unsicherheit der Eltern und mediales Chaos lahmlegen lässt – ohne dass die Gewerkschaft selbst die Verantwortung für eine formelle Schließung übernehmen muss. Eine einzige Gewerkschaftsaktion traf damit fast das gesamte Schulsystem.

Diese Verhandlungsmacht haben Eltern nicht. Der Gewerkschaft genügt eine einzige Anweisung. Die Regierung steht anschließend vor geschlossenen oder funktionsunfähigen Schulen, Zehntausenden Familien, die von einem Tag auf den anderen keine Betreuung haben, Arbeitgebern mit fehlenden Beschäftigten und einem ganztägigen Mediensturm.

Die Kosten der dreizehnwöchigen Ferien bleiben dagegen fast unsichtbar. Sie verteilen sich auf einzelne Haushalte. Eine Familie bezahlt ein Feriencamp, eine andere greift auf die Großeltern zurück, eine dritte teilt den Urlaub zwischen den Eltern auf, und eine vierte lässt die Kinder mit dem Handy zu Hause. Jedes Elternteil löst sein Problem allein, während die Gewerkschaft als geschlossener Block verhandelt.

Außerdem werden die Ferien nicht gesondert verhandelt. Sie sind gemeinsam mit Gehältern, Zulagen, Karrierewegen, Aufgabenbereichen und weiteren Arbeitsbedingungen der Pädagogen Bestandteil eines umfangreichen Gesamtpakets. Die 2024 geschlossene Vereinbarung betrifft rund 8.000 Beschäftigte staatlicher Schulen; ihre Bedingungen wirken sich anschließend auch auf kirchliche Schulen aus. Die Verhandlungen dauerten 18 Monate, schlossen einen Streik ein, und eine erste ausgehandelte Fassung wurde von den MUT-Mitgliedern selbst abgelehnt. Dem überarbeiteten Entwurf stimmten anschließend 92 Prozent der abstimmenden Mitglieder zu.

Für Politiker ist es deshalb häufig billiger, Zehntausende Eltern jeden Sommer selbst nach einer Lösung suchen zu lassen, als einen offenen Konflikt mit der MUT auszulösen. Würde die Regierung eine Änderung des Schulkalenders gegen den Willen der Gewerkschaft durchsetzen wollen, könnte die MUT ihre Mitglieder mobilisieren, und die Opposition hätte eine einfache Gelegenheit, das entstehende Chaos gegen die Regierung zu wenden. Die Öffentlichkeit sähe Streiks, nicht funktionierende Schulen und Eltern, die von heute auf morgen nicht wissen, wohin mit ihren Kindern. Nur wenige kennen den Hintergrund der Kollektivverhandlungen oder die Härte, mit der die MUT ihre Bedingungen durchsetzt. Der Eindruck könnte deshalb schlicht lauten: Die Regierung hat die Lage nicht im Griff und führt das Bildungssystem dilettantisch.

Die politischen Kosten eines solchen Konflikts wären unmittelbar und deutlich sichtbar. Die Vorteile einer möglichen Reform würden sich dagegen erst später zeigen und auf einzelne Familien verteilen. Vielleicht müssten Eltern im nächsten Sommer keine dreizehn Wochen Betreuung mehr organisieren. Für diese Erleichterung würde die Regierung aber längst nicht so viel Anerkennung erhalten, wie sie während eines Streiks Kritik einstecken müsste. Für einen Politiker, der auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist, ist das eine äußerst ungünstige Rechnung. Selbst eine Änderung, die letztlich vielen Familien helfen würde, ist daher womöglich den politischen Kampf nicht wert, der zuerst ausgefochten werden müsste.

Die Vereinbarung, die die langen Verhandlungen über Gehälter und Arbeitsbedingungen beendete, schrieb zugleich Unterrichtszeiten und Ferien fest. Für die Politik war damit ein Konflikt abgeschlossen, den sie als Erfolg präsentieren konnte. Die Rechnung für den unveränderten Kalender erschien nicht als einzelner Posten im Staatshaushalt. Sie wurde wieder auf die Eltern verteilt.

Genau deshalb kann es in dieser Frage wirken, als stünde die MUT über der Politik. Ein Minister hat zwar ein demokratisches Mandat, aber auch einen nächsten Wahltermin, politische Konkurrenz und die Verantwortung für jede Schule, die nicht öffnet. Die MUT bleibt bestehen, ihre Führung ist in erster Linie den eigenen Mitgliedern verantwortlich und kann das Schulsystem lahmlegen, noch bevor der Minister der Öffentlichkeit den ersten Absatz einer Reform erklärt hat.

De jure steht die Gewerkschaft also nicht über der Regierung. De facto verfügt sie beim Schulkalender jedoch über stärkere, sofort einsetzbare Mittel als der Minister: Die Regierung kann eine Änderung vorschlagen, die MUT kann eine Situation herbeiführen, in der der reguläre Unterricht am nächsten Tag praktisch zum Erliegen kommt.

Sie muss der Öffentlichkeit deshalb nicht beweisen, dass dreizehn Wochen ohne regulären Unterricht die beste Lösung für Kinder sind. Es genügt, die Politiker davon zu überzeugen, dass ein Änderungsversuch sie zu teuer zu stehen käme.

Regierung und Opposition lehnten eine Änderung ab

Als nach der Veröffentlichung der NCPE-Studie eine öffentliche Debatte begann, sprach sich der damalige Bildungsminister Clifton Grima gegen eine Verlängerung des Schultages aus. Bildung müsse sich in erster Linie am Wohl des Kindes orientieren; Kinder sollten nicht nur zum Schlafen nach Hause kommen. Ähnlich ablehnend reagierte der bildungspolitische Sprecher der Opposition. Eine der wenigen Stimmen für eine Reform kam vom Labour-Abgeordneten Edward Zammit Lewis. Seiner Ansicht nach habe sich die Gesellschaft verändert, und die Schulzeiten sollten dieser Veränderung Rechnung tragen.

Doch eine Verlängerung des Schultages und eine Verkürzung der Sommerferien sind nicht dasselbe. Ein Kind muss nicht jeden Tag bis 17 Uhr in der Schule verbringen, nur weil ein Teil der Sommerferien in andere Zeiten des Jahres verlegt wird. Trotzdem werden beide Fragen in der maltesischen Debatte häufig vermischt. So entsteht ein leicht zurückzuweisendes Schreckgespenst: Angeblich sollen Kinder den ganzen Tag in der Schule festgehalten und ihrer Kindheit beraubt werden.

In die Köpfe der Politiker können wir selbstverständlich nicht schauen. Wir können nicht beweisen, dass sie das Thema wegen der Gewerkschaft oder der Wähler fürchten. Ihr Handeln ist jedoch sichtbar. Die Regierung unterzeichnete den Fortbestand des heutigen Systems bis 2027, und Vertreter beider großen Parteien stellten sich bei der ersten öffentlichen Debatte gegen Änderungen, ohne Alternativen vorzulegen oder eine unabhängige Prüfung des Schulkalenders vorzuschlagen.

Wenn die Politik schon vor der Frage zurückschreckt, ob dreizehn Wochen optimal sind, wirkt das weniger wie Sorge um Kinder als wie der Versuch, ein politisch explosives Thema nicht anzurühren.

Eltern und Kinder als Geiseln des bestehenden Schulkalenders

Für Eltern ist der lange Sommer kein abstrakter Streit zwischen Ministerium und Gewerkschaft. Es sind dreizehn Wochen, für die sie jedes Jahr irgendeine Lösung finden müssen.

Und es geht nicht nur um den Sommer. Zu den dreizehn Wochen kommen im Laufe des Schuljahres Weihnachts-, Oster- und weitere Schulferien, Ausgleichstage und einzelne Tage ohne regulären Unterricht hinzu. Je nach Kalender sind das noch einmal rund 34 bis 36 Werktage – fast sieben Wochen.

Familien mit genügend Geld können private Sommerschulen, Sportcamps und andere Programme bezahlen. Manche bringen ihre Kinder zu den Großeltern, andere teilen den Urlaub untereinander auf. Ein Teil der Eltern arbeitet im Homeoffice und versucht gleichzeitig, zu arbeiten und die Kinder zu betreuen. Wer weder Geld und Verwandte noch einen flexiblen Arbeitgeber hat, verfügt über deutlich weniger Möglichkeiten.

Es überrascht deshalb nicht, dass laut der Umfrage State of the Nation 2025 ein Drittel der Eltern von Kindern unter 16 Jahren weniger Schulferien wollte. Das ist keine Mehrheit, und es wäre falsch, daraus eine zu machen. Es ist aber eine große genug Gruppe, als dass sich ihr Problem mit der Behauptung abtun ließe, das bestehende System passe für alle.

Den höchsten Preis zahlen dabei nicht die Familien, die dreizehn Wochen mit Reisen, Büchern, Ausflügen und bezahlten Aktivitäten füllen können. Die lange Pause macht vor allem die Unterschiede zwischen Kindern sichtbar, die im Sommer Zugang zu Anregung und Unterstützung haben, und jenen, deren Ferienprogramm notgedrungen aus Handy, Fernsehen oder langen Tagen ohne Struktur besteht.

Die Forschung zum sogenannten Summer Learning Loss liefert nicht in allen Ländern und Fächern eindeutige Ergebnisse. Es stimmt nicht, dass jedes Kind über den Sommer automatisch eine exakt bestimmte Menge an Lernstoff vergisst. Die Studien stimmen jedoch zumindest darin überein, dass das Lernen während einer langen Pause langsamer wird oder bei einem Teil der Kinder Rückschritte auftreten und dass der Zugang zu Lern- und Förderangeboten im Sommer ungleich verteilt ist. Dreizehn Wochen ohne regulären Unterricht sind daher sozial nicht neutral.

In den Ferien öffnet der Staat die Schulen trotzdem und stellt Lehrer ein

Das größte Paradox des maltesischen Systems besteht darin, dass die Schulgebäude im Sommer in Wirklichkeit gar nicht geschlossen bleiben.

Das staatliche Programm SkolaSajf läuft acht Wochen lang von Mitte Juli bis Anfang September. Es richtet sich an Kinder zwischen drei und 16 Jahren und wurde 2026 in Dutzenden Einrichtungen auf Malta und Gozo angeboten. Das reguläre Programm dauert von 8:30 bis 12:30 Uhr; einige Zentren bieten berufstätigen Eltern eine verlängerte Betreuung von 7 Uhr morgens bis 17:30 Uhr an.

Daneben organisiert das Ministerium Summer Catch-Up Classes. Auch sie finden acht Wochen lang an vier Tagen pro Woche statt. Qualifizierte Lehrkräfte unterstützen dort Schüler der Klassenstufen 1 bis 10 in Mathematik, Maltesisch, Englisch, Naturwissenschaften und weiteren Fächern. Der Staat schreibt dafür eigene Stellen aus und finanziert diesen Sommerunterricht gesondert.

Weder SkolaSajf noch die Catch-Up Classes ersetzen eine reguläre Schule vollständig. Das erste Programm dient vor allem der Kinderbetreuung und wird durch Aktivitäten ergänzt. Das zweite ist freiwillig, konzentriert sich auf die Wiederholung des Lernstoffs, dauert nur einige Stunden am Tag und hat begrenzte Kapazitäten. Beide belegen jedoch zwei Dinge.

Erstens brauchen Familien während der langen Ferien tatsächlich Unterstützung. Zweitens können Schulen im Juli und August genutzt werden, und Kinder können dort lernen. Der Staat hält also an einer dreizehnwöchigen Unterbrechung der regulären Bildung fest und baut anschließend ein weiteres System auf, um die dadurch verursachten Probleme abzumildern.

Statt einer offenen Diskussion über den Schulkalender gibt es SkolaSajf, Klabb 3–16, Catch-Up Classes, private Sommerschulen und einen umfangreichen Markt für private Nachhilfe. Als wäre es einfacher, sämtliche Umwege zu bezahlen, als eine Vereinbarung anzutasten, die den Status quo schützt.

Für regulären Unterricht ist es zu heiß. Für Sommerprogramme nicht?

Der häufigste praktische Einwand gegen ein längeres Schuljahr ist die Hitze auf Malta. Und dieser Einwand ist nicht erfunden. Nicht alle staatlichen Schulen verfügen über eine funktionierende Klimaanlage, und auch in den Gebäuden, die für Sommerprogramme genutzt werden, ist das Problem nicht gelöst.

Noch im Juli 2026 beklagten sich Eltern über unerträgliche Temperaturen in Schulen in Qawra, St Paul’s Bay und Gżira. In Qawra waren zwar Klimaanlagen installiert worden, laut Eltern funktionierten sie jedoch seit mehreren Monaten nicht. Der MUT-Präsident wies damals darauf hin, dass einige Schulen nicht über eine ausreichend leistungsfähige elektrische Infrastruktur verfügten und es weiterhin keinen umfassenden Klimatisierungsplan gebe. Times of Malta berichtete über die Situation.

Es wäre daher nicht korrekt zu behaupten, alle maltesischen Schulen seien bereits klimatisiert. Daraus folgt jedoch nicht, dass die dreizehnwöchigen Ferien für immer bestehen bleiben müssen.

Wenn in maltesischen Klassenräumen Anfang September kein Unterricht möglich ist, dann ist das vor allem ein Problem der Schulgebäude und jahrelang aufgeschobener Investitionen. Es ist kein Naturgesetz, das nur eine mögliche Länge des Schuljahres zulässt. Schließlich nutzt der Staat dieselben Gebäude in der heißesten Zeit des Sommers für SkolaSajf und Catch-Up Classes. Kinder und Beschäftigte schwitzen dort genauso – nur heißt es dann nicht reguläre Schule.

Eine vernünftige Reform könnte selbstverständlich nicht darin bestehen, Kinder im August einfach den ganzen Tag in nicht klimatisierte Klassenräume zu schicken. Sie könnte mit einer schrittweisen Modernisierung der Schulen, einer besseren Verschattung der Gebäude, einer ausreichenden Stromversorgung, einem verkürzten Unterricht am Vormittag im Sommer oder der Verlagerung eines Teils der Ferien in angenehmere Monate verbunden werden. Genau über solche Möglichkeiten sollte gesprochen werden.

Den Kalender für nicht verhandelbar zu erklären, löst das Hitzeproblem nicht. Es schreibt es lediglich fest.

Die internationalen Ergebnisse maltesischer Schüler sind alles andere als beeindruckend

Bei Kritik am maltesischen Bildungssystem ist es leicht, jeden internationalen Test heranzuziehen und die Ergebnisse als katastrophal zu bezeichnen. Das wäre nicht fair. In der PIRLS-Lesekompetenzstudie 2021 erreichte Malta 515 Punkte und lag damit über dem internationalen Skalenmittelwert von 500 Punkten. Vergleiche mit früheren Erhebungen wurden zudem durch die Möglichkeit beeinflusst, die Testsprache zu wählen. PIRLS lässt sich daher nicht als Beweis dafür verwenden, dass maltesische Kinder nicht lesen können.

Ein weniger günstiges Bild bietet PISA 2022, in der 15-Jährige getestet werden. Laut OECD lag Malta in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften unter dem OECD-Durchschnitt. Beim Lesen erreichten 64 Prozent der maltesischen Schüler mindestens die grundlegende Kompetenzstufe 2; im OECD-Durchschnitt waren es 74 Prozent.

Ein europäischer Vergleich der Unterrichtszeit zeigte außerdem, dass maltesische Grundschulen zwar ähnlich viele Unterrichtsstunden anbieten wie zahlreiche andere Länder, die Lage in höheren Klassenstufen jedoch schwächer ist. Laut einem europäischen Faktencheck auf Grundlage von Eurydice-Daten erhielten Schüler der höheren Sekundarstufe auf Malta mindestens 691 Stunden Pflichtunterricht pro Jahr – weniger als in jedem anderen untersuchten europäischen Bildungssystem. Gleichzeitig besuchen rund 60 Prozent der maltesischen Schüler privaten Zusatzunterricht.

Auch diese Zahlen beweisen nicht, dass die langen Sommerferien schlechtere Ergebnisse verursachen. Diese hängen vom sprachlichen Umfeld, der sozialen Zusammensetzung, der Unterrichtsqualität, Fehlzeiten, privater Nachhilfe und vielen weiteren Faktoren ab. Die Daten zeigen aber auch kein derart außergewöhnlich erfolgreiches System, dass eine seiner auffälligsten Besonderheiten nicht einmal geprüft werden dürfte.

Die MUT darf die Bedingungen einer Änderung aushandeln. Sie darf aber nicht jede Änderung von vornherein verhindern

Malta muss kein anderes Land kopieren. Es muss die Sommerferien weder auf sechs Wochen verkürzen noch Kinder bis 17 Uhr in der Schule halten. Es muss jedoch möglich sein, unabhängig zu prüfen, ob der derzeitige Schulkalender den Bildungsbedürfnissen der Kinder und dem Alltag heutiger Familien entspricht.

Die Länge des Schuljahres darf nicht allein deshalb unantastbar sein, weil sie zugleich zu einer vorteilhaften Arbeitsbedingung für Lehrkräfte geworden ist. Arbeitsbelastung, Erholung und Bedingungen an den Schulen müssen Bestandteil jeder Reform sein. Sie dürfen aber nicht schon im Vorfeld eine Prüfung von Bildungsergebnissen, sozialen Ungleichheiten oder den Möglichkeiten der Eltern blockieren, Berufstätigkeit mit dreizehn Wochen ohne regulären Unterricht zu vereinbaren.

Die maltesische Gesellschaft funktioniert nicht mehr wie vor Jahrzehnten. In vielen Familien arbeiten beide Eltern, Beschäftigte haben keine dreizehn Wochen Urlaub, und Tausende ausländische Familien haben auf der Insel weder Großeltern noch weitere Verwandte. Trotzdem hält der Staat am alten Schulkalender fest und finanziert anschließend SkolaSajf, Klabb 3–16, Catch-Up Classes und andere Dienste, die die durch diesen Kalender entstandenen Probleme abfedern sollen.

Die MUT hat das Recht, ihre Mitglieder zu vertreten, und muss bei einer Reform eine starke Stimme haben. Sie kann jedoch nicht mit einem bereits ausgedruckten „NO changes“ an den Verhandlungstisch kommen und allein bestimmen, worüber gesprochen werden darf und worüber nicht. Der Schulkalender ist keine Privatangelegenheit einer Berufsgruppe. Er beeinflusst die Bildung Zehntausender Kinder, den Alltag ihrer Familien sowie das Funktionieren von Arbeitgebern und öffentlichen Diensten.

Die letzte Verantwortung muss deshalb bei der Regierung liegen. Sie kann mit der Gewerkschaft über Art, Tempo und Ausgleichsmaßnahmen einer möglichen Änderung verhandeln. Sie darf ihr jedoch nicht faktisch das Recht überlassen, zu entscheiden, dass es niemals eine Änderung geben wird.

Eine unabhängige Prüfung könnte am Ende zu dem Schluss kommen, dass dreizehn Wochen für Malta die beste Lösung sind. Dann sollte die Regierung dieses Ergebnis jedoch mit Daten und dem öffentlichen Interesse begründen – nicht nur mit einer Kollektivvereinbarung und der Angst vor einem Konflikt mit der MUT.

Über die Länge des Schuljahres dürfen nicht die Gewerkschaft mit einem einzigen Satz und die Politik mit ihrem Schweigen entscheiden. Denn dreizehn Wochen sind lang. Selbst auf Malta.

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