Eingang zur Höhle Għar Dalam – eine der wichtigsten prähistorischen Fundstätten auf Malta

Lohnt sich Għar Dalam? Was Sie vor dem Besuch wissen sollten

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Għar Dalam ist eine unscheinbare Höhle im Süden der Insel, in der Nähe von Birżebbuġa. Auf den ersten Blick wirkt sie nicht besonders außergewöhnlich – und genau deshalb wird sie von vielen unterschätzt, weil hier kein typischer „Wow-Effekt“ entsteht. Ihre Stärke liegt nicht in dem, was Sie sehen, sondern in dem, was Sie dadurch begreifen. Die Fossilienfunde zeigen nämlich, dass Malta früher ein völlig anderes Ökosystem und eine ganz andere Landschaft hatte als heute.

Għar Dalam (ausgesprochen „Ardalam“) bedeutet „dunkle Höhle“, was ihren Charakter gut beschreibt. Erwarten Sie jedoch keine dramatischen Ausblicke und keine ausgedehnte Höhle voller Tropfsteine. Der zugängliche Teil ist relativ kurz und optisch eher schlicht. Das Entscheidende passiert „im Kopf“ – im Verstehen der Zusammenhänge.

Genau hier merkt man, dass das heutige Malta nur die letzte Phase einer Entwicklung ist, die tief bis ins Pleistozän zurückreicht (eine Zeit wiederholter Wechsel zwischen kälteren und wärmeren Perioden), also ungefähr zwischen 2,6 Millionen und 11.000 Jahren vor heute.

Und falls Ihnen die Frage kommt, ob man hier Dinosaurierfossilien findet, ist die Antwort einfach: nein. Die Dinosaurier starben vor etwa 66 Millionen Jahren aus, während Malta selbst sich erst viel später zu formen begann, ungefähr vor 20 Millionen Jahren. Diese beiden Zeitachsen haben sich also nie überschnitten.

Für wen sich Għar Dalam lohnt

Wann sich der Besuch lohnt

  • wenn Sie sich dafür interessieren, wie Malta entstanden ist und wie die Insel in der Urzeit aussah
  • wenn Sie Zusammenhänge verstehen wollen und nicht nur „einen Ort sehen“ möchten
  • wenn Sie mit Kindern reisen, die Tiere und Fossilien spannend finden
  • wenn Sie eine Woche auf Malta haben und den Süden der Insel erkunden – dann ist es ein geeigneter kurzer Stopp in Kombination mit der Blue Grotto oder Ħaġar Qim

Wann sich der Besuch nicht lohnt

  • wenn Sie ein visuell starkes Erlebnis suchen
  • wenn Sie eine große Höhle oder einen „Wow-Effekt“ erwarten
  • wenn Sie nur 3–4 Tage Zeit haben

Mit anderen Worten: Wenn Sie Kontext, Urzeit und Evolution mögen, ist Għar Dalam einen kurzen Stopp wert. Wenn Sie auf Malta nur die visuell stärksten Orte auswählen, können Sie ihn ruhig auslassen.

Der folgende Abschnitt zeigt Ihnen, warum dieser unscheinbare Ort aus wissenschaftlicher und historischer Sicht so wichtig ist.

Wie die Insel in der Eiszeit aussah

Malta gehörte zwar zur Eiszeit (zum Pleistozän), war aber nie von Gletschern bedeckt. Der Grund ist einfach: Die Insel liegt zu weit im Süden und hat nicht genügend Höhe über dem Meeresspiegel, damit sich hier überhaupt Gletscher bilden konnten – anders als in den Alpen oder Pyrenäen. Spuren einer Vergletscherung oder verschneite Landschaften, wie wir sie mit der Eiszeit in Nordeuropa verbinden, finden Sie hier also nicht.

Stattdessen herrschte auf Malta ein kühleres und feuchteres Klima als heute. Auf der Insel gab es mehr Niederschläge, und Wasser formte die Landschaft nach und nach. Gerade dadurch entstanden Täler, die bis heute typisch für Malta sind – etwa Wied Dalam, Wied il-Għasel oder Wied il-Luq. Heute wirken diese Täler trocken und unscheinbar, in Wirklichkeit sind sie aber das Ergebnis langfristiger Erosion durch fließendes Wasser.

Während der Eiszeit war eine enorme Menge Wasser in Gletschern gebunden, die weite Teile der Nordhalbkugel bedeckten. Die größten Eisschilde lagen im heutigen Kanada und im nördlichen Teil der Vereinigten Staaten sowie in Skandinavien – also in den Gebieten des heutigen Norwegens, Schwedens und Finnlands. In manchen Regionen war das Eis mehrere Kilometer dick und bedeckte vollständig Landschaften, die wir heute als Wälder, Städte oder Seen kennen.

Das Eis reichte hier nicht nur über Berggipfel, sondern bedeckte ganze Landschaften und dehnte sich stellenweise bis tief nach Mitteleuropa aus. Kleinere Gletscher gab es auch in Gebirgen wie den Alpen oder Pyrenäen, doch die dort gebundene Wassermenge war im Vergleich zu diesen riesigen Eismassen deutlich geringer.

Gerade diese ausgedehnten Gebiete aus „ewigem Eis“ hielten so viel Wasser zurück, dass der Meeresspiegel weltweit sank – stellenweise um mehr als 100 Meter. Einen Rückgang des Meeresspiegels um 100 Meter kann man sich vorstellen wie das Verschwinden eines dreißigstöckigen Hauses unter der Wasseroberfläche – und zugleich als eine deutliche Verschiebung der Küstenlinie weit weg von ihrer heutigen Lage.

Malta liegt heute ungefähr 90 Kilometer von Sizilien entfernt. Während der Eiszeit war diese Distanz aber deutlich geringer, und zwischen den Inseln konnten Flachwasserzonen oder teilweise freigelegte Landflächen entstehen. Die Tiere schwammen also nicht nach Malta, sondern gelangten Schritt für Schritt durch eine Umgebung hierher, die heute überhaupt nicht mehr existiert.

Das bedeutet, dass Malta keine isolierte Insel war, wie wir sie heute kennen. Im Gegenteil: Sie war Teil eines größeren Raums, der die allmähliche Ausbreitung von Tieren ermöglichte. Gerade aus dem Gebiet des heutigen Siziliens gelangten Tiere auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen nach Malta – in mehreren Wellen und zu unterschiedlichen Zeiten.

Naheliegend ist die Frage, ob es auch möglich war, weiter in Richtung Nordafrika vorzudringen, zum Beispiel zur Küste Tunesiens oder Libyens. Hier spielte jedoch eine andere Geografie eine Rolle. Zwischen Malta und Afrika liegt ein deutlich tieferer und stärker gegliederter Meeresboden, der selbst bei niedrigerem Meeresspiegel keine zusammenhängende Landbrücke entstehen ließ. Dieser Weg blieb also verschlossen.

Welche Tiere früher auf der Insel lebten

Die in Għar Dalam gefundenen Fossilien zeigen, dass auf Malta einst Elefanten, Hirsche und Flusspferde lebten. Neben ihnen gab es auch Riesenschildkröten – keine kleinen Schildkröten, die in eine Hand passen, sondern Tiere, die über einen Meter lang werden und Dutzende bis Hunderte Kilogramm wiegen konnten, ähnlich wie die heutigen Galápagos-Schildkröten.

Skelette von Tieren im Museum von Għar Dalam auf Malta
Die Skelette der in Għar Dalam gefundenen Tiere können Sie heute im örtlichen Museum sehen. Gerade diese Funde zeigen, dass auf Malta einst Elefanten, Flusspferde und andere Arten lebten, die man heute auf der Insel überhaupt nicht erwarten würde.

Die größte Überraschung sind für viele wahrscheinlich die Flusspferde. Heute verbindet man sie fast ausschließlich mit Afrika, doch während der Eiszeit lebten sie auch in Europa, genauer gesagt gab es hier das europäische Flusspferd – zum Beispiel in Spanien oder Frankreich – und von dort gelangten sie nach und nach bis nach Malta.

Die europäischen Flusspferde waren keine direkten Vorfahren der heutigen Arten. Es handelte sich um nahe Verwandte, die sich aus Afrika nach Europa ausbreiteten und später ausstarben, vor allem infolge von Klima- und Umweltveränderungen.

Wenn man „Eiszeit“ hört, denken die meisten Menschen an Schnee und dauerhaft gefrorene Landschaften. Im Mittelmeerraum sah die Situation jedoch anders aus. Das Klima war zwar kühler als heute, zugleich aber feuchter, mit mehr Wasser in der Landschaft. Gerade diese Kombination ermöglichte die Entstehung von Flüssen, Seen und Feuchtgebieten, die ideale Lebensräume für Tiere wie Flusspferde schufen.

Neben ihnen lebten hier auch Raubtiere, etwa Bären und Wölfe. Das damalige Malta war also keineswegs eine ruhige Insel, sondern aus heutiger Sicht eine deutlich wildere und biologisch reichere Umgebung.

Die meisten dieser Tiere starben jedoch noch vor der Ankunft des Menschen aus. Die Hauptrolle spielten Klimaänderungen und die allmähliche Isolation der Insel, die die Bedingungen für ihr Überleben grundlegend veränderte.

Warum die Elefanten hier so klein waren

Sobald nach dem Ende der Eiszeit die Gletscher auf der Nordhalbkugel zu schmelzen begannen, stieg der Meeresspiegel wieder an. Malta trennte sich vom umliegenden Festland, und die Tiere, die früher auf die Insel gelangt waren, blieben hier isoliert.

Genau hier beginnt einer der spannendsten evolutiven Prozesse. Eine Insel ist keine „verkleinerte Version des Festlands“, sondern eine Umgebung mit völlig anderen Regeln.

Auf Malta sehen wir deshalb nicht nur gewöhnliche europäische Tiere in geringerer Zahl, sondern ein vollständig umgeschriebenes Ökosystem. Große Säugetiere werden nach und nach kleiner, weil sie weniger Energie benötigen, während kleinere Arten im Gegenzug größer werden können, weil natürliche Fressfeinde fehlen.

Ein typisches Beispiel sind gerade die Elefanten. Ursprünglich handelte es sich um große Tiere der Gattung Palaeoloxodon, die auf dem europäischen Festland mehrere Meter Höhe erreichten. Auf Malta schrumpften sie jedoch infolge der begrenzten Nahrungsressourcen allmählich auf ungefähr einen Meter.

Zur Vorstellung: Ein maltesischer Elefant konnte ungefähr so groß wie ein größerer Hund oder ein Pony sein – also etwas, das man sich nebeneinanderstehend vorstellen kann, nicht wie ein riesiges Tier aus der afrikanischen Savanne.

Der gleiche Prozess betraf auch andere Arten, zum Beispiel Hirsche, die auf Malta deutlich kleiner waren als ihre Verwandten auf dem Festland.

Gleichzeitig gilt aber auch das umgekehrte Prinzip: Manche kleineren Arten können auf isolierten Inseln größer werden. Genau deshalb tauchen auf Malta Kombinationen wie Zwergenelefanten und gleichzeitig Riesenschildkröten auf.

Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie stark Isolation die Entwicklung von Arten verändern kann – ein Phänomen, das auch mit dem sogenannten Gründereffekt zusammenhängt.

Wie Għar Dalam entstand

Die Höhle Għar Dalam entstand nicht auf einmal, sondern sehr langsam. Regenwasser drang in den Kalkstein ein, ein Gestein, das aus alten Meeresorganismen entstanden ist.

Beim Durchgang durch den Boden reicherte sich das Wasser mit Kohlendioxid (CO₂) an, wodurch eine schwache Säure entstand – Kohlensäure. Diese löste den Kalkstein nach und nach auf.

Das war kein schneller Prozess, sondern ein Vorgang, der Tausende Jahre dauerte. Kleine Risse im Fels wurden allmählich größer und verbanden sich miteinander, bis der Höhlenraum entstand.

Sobald die Höhle entstanden war, begann der umgekehrte Prozess. Wasser brachte Erde, Sand und weiteres Material hinein, das sich hier in Schichten ablagerte – und genau diese funktionieren heute wie eine Zeitleiste der Entwicklung Maltas.

Wie gelangten aber die Tiere, deren Fossilien wir heute in Għar Dalam finden, überhaupt in die Höhle? Manche Tiere könnten hineingestürzt oder eingebrochen sein und den Weg nicht mehr zurückgefunden haben. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Wasser die Knochen zusammen mit Erde und Sedimenten hierher transportierte, weil die Höhle in einem Tal liegt und die Knochen bei Regen hineingeschwemmt wurden.

Während ihre Überreste an der Oberfläche nach und nach zerfallen wären, blieben sie in der Höhle erhalten – und genau deshalb wirken sie heute wie ein konzentriertes „Archiv“ der alten maltesischen Landschaft.

Għar Dalam im Zweiten Weltkrieg

Die Höhle wurde während des Zweiten Weltkriegs als Lager für Flugtreibstoff genutzt, und laut den Informationstafeln befinden sich hier auch Ritzungen und Graffiti, die Soldaten hinterlassen haben. Ich selbst habe sie allerdings überhaupt nicht bemerkt, weil sie weder deutlich gekennzeichnet noch hervorgehoben sind. Stattdessen fiel mir das laute Zwitschern kleiner Vögel auf, die in den Spalten der Höhlenwände am Eingang ihre Nester hatten.

Landschaft bei Għar Dalam mit historischem Turm und Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg
Die auf den ersten Blick unscheinbare Landschaft rund um Għar Dalam verbirgt mehrere historische Schichten. Der Betonbunker im Hintergrund stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und war Teil der Binnenverteidigung der Insel für den Fall einer Invasion. Der kleinere Steinturm im Vordergrund ist älter – wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert – und diente als Beobachtungspunkt über der landwirtschaftlich geprägten Landschaft. In der Umgebung befinden sich zudem auch die Überreste der römischen Villa Ta’ Kaċċatura, was zeigt, dass dieses Gebiet über lange Zeiträume und in verschiedenen Epochen genutzt wurde.

Gegenüber der Höhle befindet sich ein niedriger Betonbunker (eine sogenannte Pillbox), der Teil der Inselverteidigung im Zweiten Weltkrieg war. Dieser Bautyp wurde nicht zufällig platziert – oft lag er auf erhöhten Punkten mit guter Aussicht, von denen aus natürliche Korridore in der Landschaft, wie eben Täler, kontrolliert werden konnten.

Vom Gebiet Wied Dalam aus reicht der Blick heute bis zum Frachthafen Malta Freeport in Birżebbuġa, was gut zeigt, warum dieser Ort schon in der Vergangenheit strategische Bedeutung hatte.

Zum Gelände gehört auch ein kleinerer edukativer Bereich, der sich mit der ursprünglichen maltesischen Flora beschäftigt. Er entstand in Zusammenarbeit mit BirdLife Malta und zeigt, wie lokale natürliche Lebensräume unter den Bedingungen des trockenen Mittelmeerklimas aussehen können.

Besuch von Għar Dalam: Eintritt, Anfahrt und Dauer

Għar Dalam ist eher ein kürzerer Stopp. Den meisten Besuchern reichen ungefähr 20 bis 30 Minuten für die Besichtigung der Höhle und des Museums.

Erwarten Sie keine moderne interaktive Ausstellung voller visueller Effekte. Das Museum erinnert eher an klassische Ausstellungen des 20. Jahrhunderts, mit Vitrinen, Skelettfunden und Informationstafeln. Es wird von Heritage Malta verwaltet – Tickets können Sie direkt vor Ort kaufen.

Trotz dieses Retro-Stils ist die Ausstellung jedoch gut gemacht und erklärt verständlich, wie die Höhle entstand und welche Tiere einst auf Malta lebten. Auf manche mag sie veraltet wirken, aber wenn man weiß, worauf man schaut, liefert die Ausstellung einen sehr guten Kontext zu dem, was man in der Höhle sieht.

Das Museum liegt im Süden der Insel, in der Nähe von Birżebbuġa. Am einfachsten kommt man mit dem Auto hierher (Parken ist kostenlos), alternativ mit dem Bus von Valletta aus.

Wenn Sie den Süden der Insel erkunden möchten, ohne sich um die Anfahrt kümmern zu müssen, sind organisierte Ausflüge eine gute Wahl – besonders dann, wenn Sie weder selbst fahren noch Busverbindungen koordinieren möchten. Häufig kombinieren sie Għar Dalam mit Orten wie der Blue Grotto oder Ħaġar Qim, sodass Sie an einem Tag mehrere Sehenswürdigkeiten sehen.

Eine Alternative ist der Hop-on-Hop-off-Bus, der sich eher für einen ersten Überblick über den Süden der Insel eignet. Der Nachteil ist, dass es sich eher um touristischen Transport ohne klassischen Guide handelt. Meist gibt es einen Audiokommentar, der aber eher allgemein bleibt. Wenn Sie sich für Details interessieren, bekommen Sie vor Ort mehr Informationen – zum Beispiel im Museum, wo Sie nachfragen können.

Das Museum ist auch mit Kinderwagen zugänglich, aber rechnen Sie mit einzelnen Stufen und damit, dass man mit dem Kinderwagen nicht in die Höhle selbst hineinfahren kann.

Die beste Zeit für einen Besuch ist von Februar bis Mai, wenn die Umgebung grün ist und blüht. Im restlichen Jahr wirkt die umliegende Landschaft trocken und ausgedörrt.

Das Interessanteste an diesem Ort ist jedoch nicht das, was Sie auf den ersten Blick sehen. Es ist der Kontext, den Sie mitnehmen.

  • Knochen von Zwergenelefanten und Flusspferden
  • Geschichtsschichten, die Hunderttausende Jahre zurückreichen
  • Belege für die sehr alte Entwicklung der Insel

Fazit: Lohnt sich Għar Dalam?

Għar Dalam ist kein Ort, den jeder gesehen haben muss. Wenn Sie aber gerne Zusammenhänge verstehen und auf Malta nicht nur fotogene Orte sehen wollen, gehört er zu den interessantesten kurzen Stopps auf der Insel.

Wenn Sie wissen, warum Sie hierherkommen, gehört er zu den spannendsten Orten der Insel. Wenn Sie dagegen ein starkes visuelles Erlebnis erwarten, kann er Sie eher enttäuschen.